Mahnmal Raphaelshaus

Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem Raphaelshaus in Dormagen und dem Verein Luftschutzanlagen Rhein Kreis Neuss.
Ziel dieses Vorhaben ist die Umgestaltung einer ehemaligen Luftschutzanlage auf dem Gelände des Raphaelshauses zu einer Gedenkstätte. 



Ende des Jahres 2017 entdeckten wir bei Recherchen im Archiv des Rhein Kreis Neuss`  eine Auflistung von Bunkern in Dormagen. Hier waren drei auf dem Gelände des Raphaelshauses  eingetragene Luftschutzanlagen zu finden. Diese weckten  unser Interesse.
Nach einer Kontaktaufnahme mit dem stellvertretenden Leiter der Raphaelshauses, Herrn Mastalerz, konnten wir davon zwei Anlagen begehen und dokumentieren. Die Position der dritten Anlage war zwar bekannt, jedoch hatte man  die Eingangsbauwerke in den 70er Jahren verschlossen und zu Spielgeräten umgebaut.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich niemand für diese unterirdischen Bauwerke interessiert.
Von März 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges diente das Raphaelshaus als Lazarett für verwundete Soldaten und als Anlaufstelle für die unter dem Krieg leidende Bevölkerung. Die Kinder, welche während der Anfänge des Krieges noch im Raphaelshaus untergebracht waren, befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Dormagen. Die Einrichtungsleitung hatte  zuvor dafür gesorgt, dass die Kinder im Rahmen der Kinderlandverschickung in den Westerwald gereist waren.
Im Rahmen  weiterer Recherchen fanden wir unter anderem alte Fotos, welche den  Bau der Anlagen beim Raphaelshaus dokumentierten. Unterstützt wurden wir dabei auch vom ehemaligen Leiter des Raphaelshauses, Herrn Scholten. Viele Informationen, welche wir von Herrn Scholten erhielten, wären ansonsten über die Jahre wohl verloren gegangen.

Im Frühjahr des Jahres 2018 wurden die Spielgeräte an den Eingangsbauwerken des verschlossenen Bunkers erneuert.  Aufgrund unserer vorherigen Begehungen und des Interesses an der Geschichte des Raphaelshauses bekamen wir die Möglichkeit, auch diese  - seit über 50 Jahren verschlossene -  Anlage zu dokumentierten.

Dabei fanden wir einige Relikte aus der Zeit, als hier die Verletzten und Verwundeten bei Überflügen der alliierten Flugzeuge in den 1940er Jahren  Schutz gesucht hatten. Darunter befanden sich zum Beispiel eine große Anzahl von sogenannten Volksgasmasken, der VM-37,  sowie eine gut erhaltene Sitzbank.
Die Bauweise der Sitzbank war auf die Gegebenheiten des Bunkers abgestimmt und dürfte ein einzigartiger archäologischer Fund sein. Nach seinem Entdecker wurde diese Sitzgelegenheit für vier Personen  Rosellen- Bank  benannt. Die Einzigartigkeit des Fundes wurde auch vom LWL-Archäologie für Westfalen bestätigt.
Zusätzlich  konnten wir den Fund verschiedener Zeitungen sowie Verpackungen aus der Zeit der Besetzung durch die Soldaten der alliierten Streitkräfte dokumentieren.  Dabei wurde auch jeweils die genaue Fundposition der Stücke in den Räumen vermerkt.

Nach unserer Begehung sollte die Anlage eigentlich wieder verschlossen werden, aber Herr Bragard, ein Pädagoge der zum Raphaelshaus gehörenden Schule, verfasste ein Konzept zur weiteren Nutzung des Bunkers. Herr Bragard hatte in der Vergangenheit schon die Geschichte eines im Raphaelshaus untergebrachten jüdischen Jungen, Rudolf Euteneuer, aufgearbeitet.
Herr Bragard und Herr Mastalerz baten uns als Experten auf dem Gebiet des Luftschutzes im ländlichen Raum um Unterstützung bei diesem Projekt.

Seitdem sind die Umbauten zur Gedenkstätte weit vorangeschritten.
Mit Unterstützung durch das Land NRW sowie der Stiftung "Freunde des Raphaelshauses"  erfolgt derzeit der Umbau jener Anlage zu einem Museum, das in Zukunft exklusiv von Schulklassen besucht werden soll.
Das Schutzbauwerk  besteht aus vier gleichartigen röhrenförmigen Räumen. Zwei dieser Räume werden künftig mit einer medial gestützten Ausstellung zur Thematisierung  des Zweiten Weltkriegs sowie aktueller  Konflikte verwendet, außerdem wird hier über das Schicksal des deportierten Bewohners Rudolf Euteneuer informiert.

Ein weiterer Raum
wird durch den Verein Luftschutzanlagen Rhein Kreis Neuss originalgetreu  eingerichtet: Ziel ist es, den vermutlich ursprünglichen Zustand zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zu rekonstruieren.
Die Original-Exponate wie z. B.Feuerlöscher, Verbandskasten, Werkzug zur Befreiung bei Verschüttung etc. wurden von Mitbürgern gespendet oder von uns mit finanzieller Unterstützung durch das Raphaelshaus beschafft.

Einer der  Räume soll als Kino z.B. für die Vorführung von Infofilmen beim Besuch von Schulklassen genutzt werden.

Luftschutzanlage  bei Erstbegehung, hier die gefundenen Gasmasken

Luftschutzanlage bei Erstbegehung, hier die gefundenen Gasmasken

Gasmaske mit abgelösten Luftfiltern links und rechts

Luftschutzanlage bei Erstabegehung,  hier die Reste der Sitzbänke

die Rosellen-Bank 

Funde in der  Luftschutzanlage aus der Nachkriegszeit

Grundriss und Querschnitt der künftigen Gedenkstätte

 Mitarbeiter der Elektrofachfirma Hunger ( links) und Jörn Esposito (Vereinsvorsitzender, rechts)

Exponate für den durch den Verein gestalteten Raum der Anlage

Funde in der  Luftschutzanlage  auf dem Gelände des Raphaelshauses