Atomschutz / Zivilschutz

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerfiel das Bündnis der ehemaligen Verbündeten USA und Sowjetunion. Verschiedene politische Umbrüche und kriegerische Ereignisse wie der Koreakrieg oder die Kubakrise werden heute unter dem Begriff „Kalter Krieg” zusammengefasst. Der Kalte Krieg war durch zwei Entwicklungssprünge in der Waffentechnik geprägt. Einerseits gab es die Atombombe, andererseits neu entwickelte Raketensysteme, die es ermöglichten, die Sprengkörper sehr schnell auf dem gesamten Globus einzusetzen. In Bezug auf die Schutzmaßnahmen brachte dieses neue Gefahrenpotenzial erhebliche Anforderungen an den Schutzraumbau mit sich. Denn im Gegensatz zu den Bunkern aus den Weltkriegen mussten Atomschutzbunker für einen längeren, aber dafür nur einmaligen Aufenthalt konzipiert sein. Mit der Dauer des Aufenthalts wachsen auch die Anforderungen an den Schutzraum. So müssen alle lebenswichtigen Bedürfnisse befriedigt werden, die Menschen über einen längeren Zeitraum entwickeln. Dazu zählt Frischluft, die über Filteranlagen und ein Notstromaggregat erzeugt werden muss. Elektrisches Licht, Wärme, aber auch eine Klimatisierung sind ebenso nötig wie Toiletten, Waschmöglichkeiten, Schlafplätze und Nahrung. Aufgrund der enormen Zerstörungskraft von Nuklearwaffen musste zudem der Standort unterirdisch gewählt und die Bauausführung entsprechend angepasst werden. Wie hoch der jeweilige Schutzgrad der Zivilschutzanlagen sein wird, ergibt sich aus den baulichen Maßnahmen, beispielsweise aus den Wand- und Deckenstärken bzw. der Überdeckung bei Stollen. Trotz der permanenten Gefahr eines nuklearen Angriffs ging man nicht von einem spontanen Einsatz von Atomwaffen aus. Man vermutete, dass sich dieser durch einen politischen Spannungsfall ankündigen würde. Mit Eintreten des Spannungsfalls hätte man viele Schutzräume überhaupt erst eingerichtet. 

Die Warnämter

Der Warndienst hatte im Rahmen des Zivilschutzes die gesetzliche Aufgabe, die Bevölkerung vor den Gefahren zu warnen, die ihr im Verteidigungsfall drohten. Damit sollten die Auswirkungen eines militärischen Konflikts auf die Bevölkerung so gering wie möglich gehalten werden. Um diese Aufgabe auch während eines Atomschlags ausführen zu können, wurden zwischen 1960 und 1966 in der Bundesrepublik Deutschland zehn Warnamtsbunker gebaut. Die viergeschossigen Anlagen hatten drei Meter dicke Wände und Decken und sollten der Belegschaft von 196 Personen Schutz vor einem Volltreffer einer 1.000-kg-Sprengbombe, einem Feuersturm und ABC-Kampfstoffen sowie einer Druckwelle von neun atü bieten. Um einen dreißigtägigen autarken Betrieb zu gewährleisten, verfügten die Bunker über einen Tiefbrunnen, Notstromaggregate, eine Lüftungsanlage sowie entsprechende Betriebs- und Lebensmittelvorräte. Die Belegung der Betten erfolgte in drei Schichten à 8 Stunden. Das Herzstück des Warnbunkers war der zweigeschossige Führungsraum, in dem die Auswertung aller Daten erfolgte. Hier liefen die Informationen der verschiedenen Stellen zusammen, die über Fernmeldeleitungen miteinander verbunden waren. Dazu gehörten unter anderem die Luftlagezentren der NATO, die Leitmessstellen des Warndienstes, die Radioaktivität messen konnten, der Deutsche Wetterdienst und die Deutsche Flugsicherung. Auf einer fünf mal fünf Meter großen Glasscheibe trugen die Mitarbeiter die aktuellen Daten in eine Karte ein, um die ABC- und Luftlage zu bestimmen. Die Vorhersage, in welche Gebiete sich der radioaktive Niederschlag bewegen würde, war entscheidend, um die Bevölkerung rechtzeitig über Sirenen und Rundfunk warnen zu können. Darüber hinaus wurden Behörden und Großbetriebe laufend über die Gefahrenlage informiert. Glücklicherweise blieb die Kubakrise das einzige Ereignis, bei dem der Warndienst in Alarmbereitschaft versetzt wurde. 

Schleusenbereich des Warnamtes 4 in Meinerzhagen.

Schleusenbereich des Warnamtes 4 in Meinerzhagen.


Der zweigeschossige Führungsraum im Warnamt 4 Meinerzhagen.

Innenbereich der Schleuse im Warnamt 4 

Eingangsbereich im Warnamt 4.

Schlafräume im Warnamt 4

Flur im 3. UG im Warnamt 4.

Flur im Warnamt 4, Blick zur Küche. 

Schlafräume im Warnamt 4.

Blick in einen Versorgungsschacht im Sandfilter des Warnamtes 4.  

Stromaggregat im Warnamt 4. 

Stromaggregat im Warnamt 4. 


Vereinsmitglieder bei der Führung durch das Warnamt 4 in Meinerzhagen. 

Die Ausweichsitze

In den 1960er Jahren bauten Regierungen und Verwaltungen verbunkerte Ausweichsitze, um ihre Tätigkeiten auch im Verteidigungsfall ausführen zu können. Für die Bundesregierung wurde ein kilometerlanges, atomsicheres Stollensystem in einen ehemaligen Eisenbahntunnel bei Ahrweiler gebaut. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen bezog einen Bunker mit dem Grundriss eines Warnamtsbunkers in der Eifel. Diese Anlage wurde zwischen 1962 und 1965 für zehn Millionen DM in der Nähe von Kall errichtet. Der Bunker sollte bis zu 200 Beamten Schutz vor den Auswirkungen einer Atomwaffenexplosion bieten, damit diese von dort aus den Zivilschutz in NRW organisieren konnten. Doch auch Stadtverwaltungen bauten Ausweichsitze, um ihre Geschäfte im Kriegsfall weiterführen zu können. Da die Rheinbrücken im Kriegsfall sehr wahrscheinlich unpassierbar geworden wären, baute die Stadt Köln gleich mehrere Befehlsstellen für den Oberbürgermeister, da nicht vorhersehbar war, auf welcher Rheinseite er sich im Spannungsfall aufhalten würde. Allen Ausweichsitzen gemein ist ihr Zweck, die Verwaltungstätigkeiten auch im Kriegsfall weiter betreiben zu können. Die unterirdischen Schutzräume dienten nur der Arbeit und boten den Beamten und Angestellten keinerlei Komfort, sondern lediglich einen primitiven Schutz, um ihre Aufgaben erledigen zu können. Da davon ausgegangen wurde, dass Nuklearwaffen sehr wahrscheinlich urbane Zentren treffen würden, wurden Ausweichsitze grundsätzlich am Stadtrand oder in ländlichen Regionen errichtet. 

Befehlsstelle der Kölner Stadtverwaltung.

Lüftungsanlage einer Befehlsstelle der Kölner Stadtverwaltung.

Kommunikations- und Wasserversorgung in einer Befehlsstelle der Kölner Stadtverwaltung.

Telex-Gerät in einer anderen Befehlsstelle der Kölner Stadtverwaltung.


Notausgang in einer Befehlsstelle der Kölner Stadtverwaltung.

Notstromaggregat in einer Befehlsstelle der Kölner Stadtverwaltung. 

Überdruckventile in einer Befehlsstelle der Kölner Stadtverwaltung.

Telex-Gerät

Radiostudio des WDR im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Telefonverbindungen im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Telefonverbindungen im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Waschraum im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Schlafzimmer des Ministerpräsidenten. 

Filteranlage im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Kommunikationsgeräte im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Schafzimmer im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall. 

Krankenstation im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Telefon im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Schlafzimmer im Ausweichsitz der Landesregierung NRW in Kall.

Strahlenschutzanzüge in der Schleuse des Ausweichsitzes der Landesregierung NRW in Kall.

Ertüchtigung von Weltkriegsbunkern

 

In den 1960er Jahren warfen die neuen Bedrohungen des Kalten Kriegs in der BRD die Frage auf, wie sich möglichst schnell Schutzplätze für die Bevölkerung schaffen ließen. So gerieten die noch intakten Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg wieder ins Visier der Behörden. Die oftmals bis weit in die 1950er Jahre als Notunterkunft oder anderweitig genutzten Bauwerke wurden in dieser Phase meist nur notdürftig für den aufkommenden Zivilschutz ertüchtigt. Am Beispiel des Neusser Hochbunkers am Berghäuschensweg lassen sich diese spärlichen Ertüchtigungsmaßnahmen beispielhaft aufzeigen. Das Entfernen der Türzargen und Betonsockel der ursprünglichen Sitzbänke sowie das Aufbringen neuer Wandfarbe und fluoreszierender Wegweiser waren die einzigen Neuerungen. Die Gasschutztüren, Filteranlagen und WC-Anlagen wurden zwar repariert, verblieben aber im Originalzustand von 1940. Eine zweite Ertüchtigungsphase der Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg wurde in den 1980er Jahren umgesetzt. Angesichts der von den USA neu entwickelten Neutronenbombe sollten die Schutzräume nun nur noch für einen Aufenthalt von 24 bis 48 Stunden hergerichtet werden. Diese Umbaumaßnahmen lassen sich am Beispiel des Neusser Hochbunkers an der Adolf-Flecken-Straße gut nachvollziehen. Die Trennwände der ursprünglichen Kammern wurden entfernt und die Toilettenanlagen erneuert. Zusätzlich erhielt der Bunker neue Drucktüren und eine Filteranlage, die Frischluft durch einen großen Sandfilter ansaugte. Aufgrund der Umbaumaßnahmen und der neuen Anforderungen bot der Atombunker statt der ursprünglichen 1.300 Plätze nur noch Platz für 700 Personen. 

Toiletten mit Plastikvorhängen.

Blick in den neu eingebauten Sandfilter zu sehen. Dafür wurden mehrere Räume abgemauert und mit Sand befüllt. Im Hochbunker Adolf-Flecken-Straße in Neuss.

Eingangsschleuse mit neues Drucktür, die Beschriftung stammt aus dem Zweiten Weltkrieg.
Im Hochbunker Adolf-Flecken-Straße in Neuss.

Treppenhaus mit hell grünem Anstrich im Hochbunker Adolf-Flecken-Straße in Neuss.

Untergeschoss mit den ursprünglichen Kammern im Hochbunker Adolf-Flecken-Straße in Neuss.

Neue Lüftungsanlage im Hochbunker Adolf-Flecken-Straße in Neuss.

Blick in die neu installierten WC-Anlagen im Hochbunker Adolf-Flecken-Str in Neuss.

Schulschutzräume


Angesichts des enormen Bedarfs an potenziellen Schutzplätzen erkannten die Behörden schnell, dass die Ertüchtigung von Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg allein nicht ausreichen würde. Deshalb bestand über lange Zeit die Verpflichtung, bei kommunalen Neu- und Erweiterungsbauten Schutzräume zu errichten. So erhielten viele Schulen, Hochschulen, Kindergärten, Jugend- und Altenheime sowie Krankenhäuser einen „atomsicheren” Schutzraum. Gemäß den damals geltenden Vorschriften wurden anfangs nur Schutzräume für maximal 50 Personen gebaut, ab den 1970er Jahren dann für 300 Personen. Schutzbauten aus dieser Zeit werden im Allgemeinen als „Atombunker“ bezeichnet. Durch diesen Begriff wird suggeriert, dass diese Anlagen einer direkten Atombombendetonation standhalten würden, doch dem ist nicht so. Dies gilt insbesondere für Bauwerke, die Ende der 1970er Jahre aus Kostengründen im sogenannten Grundschutzniveau errichtet wurden. Diese Grundschutzräume bieten lediglich Schutz vor einer Luftstoßbelastung von 0,3 bar, herabfallenden Trümmern, Brandeinwirkung sowie biologischen und chemischen Kampfstoffen. Selbstverständlich bieten sie auch Schutz vor radioaktivem Niederschlag, auch Fallout genannt. Im Gegensatz zu den Luftschutzanlagen des Zweiten Weltkriegs waren Grundschutzräume für einen ununterbrochenen Aufenthalt von bis zu 14 Tagen vorgesehen. 
Der Begriff „Schulschutzräume” leitet sich vom Standort ab, da diese hauptsächlich in Schulen und Hochschulen, aber auch in Kinder-, Jugend- und Altenheimen sowie Beherbergungsstätten errichtet wurden. Dabei waren die Schutzplätze nicht automatisch für die Schüler, sondern vielmehr für Passanten und Anwohner der Umgebung vorgesehen. Denn in den Planungen ging man stets von einem Spannungsfall aus, der sich politisch ankündigen würde. In der Zeit zwischen dem Spannungsfall und der tatsächlichen Krise hätte man viele Zivilschutzräume überhaupt erst eingerichtet und den Unterricht ausgesetzt. Ein von uns dokumentierter Schutzraum in Dormagen bietet aufgrund seiner Größe maximal 50 Schutzplätze. Seine Wand- und Deckenstärke von 40 cm war zwar gering, reichte aber aus, um die Insassen vor Strahlung zu schützen. Von der Gasschleuse aus gelangt man in drei Räume, von denen einer als WC- und Waschraum genutzt wurde. Dies ist nur noch an den aus den Wänden kommenden Rohrleitungen erkennbar, da alle Einbauten mittlerweile restlos entfernt wurden. Die beiden jeweils 40,5 m² großen Schutzräume verfügten über eine Filteranlage, die die Frischluftzufuhr sicherstellte. Beide Filteranlagen sind noch vorhanden und funktionieren. Am Ende der Schutzräume befanden sich die Notausgänge, die über Steigeisen auf den Schulhof führten. 

Notausgang in einem Schulschutzraum in Dormagen.

Filteranlage (leer) in einem Schulschutzraum in Dormagen. 

Schleusenbereich  in einem Schulschutzraum in Grevenbroich.

Lüftungsanlage  in einem Schulschutzraum in Grevenbroich.

Schleusenbereich von innen in einem Schulschutzraum in Grevenbroich.

 Schutzraum mit Toilettennischen (Eimer) in einem Schulschutzraum in Grevenbroich.


Gesamtansicht der Schutzräume die mit einer einfachen Ziegelwand getrennt sind in einem Schulschutzraum in Grevenbroich.

Gesamtansicht eines Schulschutzraumes in Grevenbroich. Vorne der Eingang, hinten der Ausgang. 

Reste einer Zeitung von 1980 in einem Schulschutzraum in Dormagen.

Filteranlage in einem Schulschutzraum in Dormagen.

Notausstieg in einem Schulschutzraum in Dormagen.

Schleusenbereich in einem Schulschutzraum in Dormagen.

Funktionsfähige Filteranlage in einem Schulschutzraum in Grevenbroich. 

MZA

Während des Kalten Krieges wurden in ganz Deutschland öffentliche Zivilschutzanlagen errichtet. Diese sollten Schutzsuchenden nach einem Atomschlag ein Überleben von bis zu 14 Tagen ermöglichen. Die Schutzräume standen im Ernstfall allen Personen zur Verfügung, die sich zum Zeitpunkt des Alarms in der Nähe befanden. Die von uns besuchte Zivilschutzanlage in Unna wurde in den 1970er Jahren auf Grundschutzniveau geplant und im Mai 1983 in Betrieb genommen. In den Ebenen 3, 4 und 5 einer Tiefgarage hätten ca. 2.800 Personen Schutz vor radioaktiver Strahlung, chemischen und biologischen Kampfstoffen, Trümmern, Druckwellen sowie Feuer und Hitze erhalten. Einem direkten Treffer hätte die schwache Betondecke jedoch nicht standgehalten. Um unterirdische Schutzräume wirtschaftlicher bauen und betreiben zu können, wurden sie als Mehrzweckanlagen errichtet, die in Friedenszeiten meist als Tiefgaragen, Tunnel oder U-Bahnhöfe genutzt werden konnten. Entsprechend dem damaligen Bedrohungsszenario ging man davon aus, dass sich ein Atomschlag durch politische Ereignisse ankündigen würde. Erst wenn dieser Spannungsfall eingetreten wäre, wären die Mehrzweckanlagen für den Zivilschutz hergerichtet worden. In Unna wären dann alle Fahrzeuge aus der Tiefgarage gefahren und die vier acht Tonnen schweren Strahlenschutztore wären geschlossen worden, um den Bereich hermetisch abzuriegeln. Anschließend wären über mehrere Tage hinweg Betten, Bänke und Trennwände aufgebaut sowie Lebensmittel, Wasser und Dinge des täglichen Bedarfs eingelagert worden. Obwohl die Baukosten rund 20 Millionen DM betrugen, wovon der Bund 5 Millionen DM bezuschusste, verfügte die MZA in Unna nur über die notwendigsten Einrichtungen. Am deutlichsten wird dieser primitive Standard am Fehlen von Sanitäranlagen. Anstelle von Toiletten wären auf jedem Parkdeck 18 provisorische Kabinen mit Plastikvorhängen aufgestellt worden, in denen Trockentoiletten für die Notdurft zur Verfügung gestanden hätten. Die 5.000 gelagerten Beutel waren die einzige Möglichkeit, die Fäkalien zu entsorgen, da die gesamte Anlage über keinen Abfluss verfügte. Auch Waschmöglichkeiten für die Schutzsuchenden gab es nicht. Anfang der 2000er Jahre wurde die Zivilschutzanlage am Bahnhof Unna stillgelegt. Heute kann sie im Rahmen einer Führung mit Hansetourist Unna besichtigt werden. 

Notstromaggregat in einer Mehrzweckanlage in einer Tiefgarage in Unna.

Parkdeck zur zivilen Nutzung in Friedenszeiten in einer Mehrzweckanlage in Unna.

Stromversorgung und Lampen in einer Mehrzweckanlage in Unna.

Filterraum ohne Filter in einer Tiefgarage in Unna. 

Handlüfter in einer Tiefgarage in Unna.

Parkdeck zur zivilen Nutzung in Friedenszeiten in einer Mehrzweckanlage in Unna.

Reste der Zivilschutzausstattung in einer Mehrzweckanlage in Unna.

Filterraum ohne Filter in einer Tiefgarage in Unna.

Filterraum einer Tiefgarage in Neuss, die als Mehrzweckanlage genutzt wurde.

Strahlenschutztor in einer Mehrzweckanlage in Neuss.

Werkstatt und Lampen in einer Mehrzweckanlage in Neuss. 

Notausstieg in einer Mehrzweckanlage in Neuss. 

Drucktür in einer Tiefgarage in Unna. 

Drucktür zum Parkdeck in einer Mehrzweckanlage in Unna. 

Strahlenschutztür in einer Mehrzweckanlage in Neuss.

Flugabwehrraketen

Die „Raketenstation Hombroich“ ist heute ein weit über die Grenzen des Rhein-Kreises Neuss hinaus bekanntes Museumsgelände für moderne Kunst. Ihre ursprüngliche Bedeutung und Aufgabe gerät jedoch immer mehr in Vergessenheit. Die Stellung auf den Feldern zwischen den Orten Kapellen und Holzheim wurde zwischen 1968 und 1970 errichtet und unterstand bis 1985 einem belgischen Kommando. Anschließend übernahmen bis zur endgültigen Auflösung des Standorts im Jahr 1990 US-Soldaten das Kommando in Kapellen. Das NATO-Gelände war Teil eines Gürtels von Flugabwehrraketen-Batterien, der quer durch Europa verlief. Allein auf dem Gebiet der damaligen BRD entstanden siebzig dieser Stellungen. Die einzelnen Standorte waren mit rund 240 Soldaten besetzt und verfügten über drei Abschusssektionen, die jeweils mit neun Nike-Hercules-Raketen ausgestattet waren. Rund ein Viertel aller Stellungen wurde mit nuklearen Sprengköpfen ausgestattet, die ausschließlich von US-Soldaten bedient werden konnten. Auch in Kapellen waren US-Soldaten stationiert, sehr wahrscheinlich auch mit Nuklearwaffen. Die Luftabwehrstellungen sollten sowjetische Bomber- und Hubschrauberverbände zerstören, bevor diese die militärische Infrastruktur der NATO erreichen konnten. Die Nike-Hercules-Raketen hatten zwar eine maximale Geschwindigkeit von ca. 4.000 km/h, jedoch nur eine Reichweite von rund 200 km. Das bedeutete, dass alle Raketen, auch die atomaren, über westdeutschem Gebiet detoniert wären. Angesichts dieses Szenarios, in dem über Deutschland massenhaft nukleare Sprengköpfe detoniert wären, können wir dankbar sein, dass niemals eine Nike-Hercules-Rakete zum Einsatz kam. Obwohl auf dem ehemaligen Militärgelände viele neue Gebäude entstanden sind, ist die ursprüngliche Struktur noch erhalten geblieben. So sind die drei Abschusssektionen, auf denen sich jeweils drei Raketen in Feuerstellung bringen ließen, ebenso erhalten geblieben wie die dazugehörigen Hangars, in denen weitere Sprengköpfe gelagert wurden. Ebenso erhalten geblieben sind die Bunker (Shelter) für die Bedienmannschaften, einige Baracken und einer der markanten Wachtürme. Im Untergrund soll sich noch heute ein Bunkersystem befinden, das wir leider noch nicht begehen konnten. Ungeachtet der militärhistorischen Bedeutung der heutigen „Raketenstation Hombroich“ lohnt sich ein Besuch des Museumsgeländes immer.

Abbildung einer Nike-Herkules-Rakete.

Abbildung einer Nike-Herkules-Rakete beim Abschuss.

Das ursprüngliche Gelände der Raketenstation in Kapellen. 

Die aktuelle Bebauung des Geländes der Raketenstation in Kapellen. 

Bunker für die Bedienmannschaft.

Wachturm auf dem Gelände der Raketenstation.

Abschusssektion und Hangar auf dem Gelände der Raketenstation.