Volksgasmaske


Am 22. April 1915 setzten deutsche Soldaten erstmals Chlorgas als Waffe ein. Bei diesem ersten Gasangriff wurde das Giftgas noch aus Druckbehältern freigesetzt und zog mit dem Wind in die gegnerischen Schützengräben, wo es mehrere hundert Soldaten tötete und noch mehr verletzte. Damit begann ein Wettrüsten, an dem sich alle Kriegsparteien beteiligten. Im Laufe des Ersten Weltkriegs wurde das Giftgas schließlich in Granaten gefüllt, um es gezielter in feindliche Stellungen schießen zu können. Nach Ende des Ersten Weltkriegs war allen Parteien die Gefahr von Gasangriffen bekannt. Durch die Weiterentwicklung der Flugzeuge war nun erstmals auch die Zivilbevölkerung weit hinter der Front dieser Bedrohung ausgesetzt. Angesichts dieser Bedrohungslage entwickelten viele Staaten Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung. In Deutschland waren dies neben den Schutzraumbauten, die alle gasdicht sein mussten, die 1937 ausgegebene Volksgasmaske. Die subventionierte Volksgasmaske wurde gestaffelt nach dem Einkommen für 5, 3, 1 und 0,50 Reichsmark an die Bevölkerung abgegeben. Sie wurde in den Einheitsgrößen „M” für Männer, „F” für Frauen und „K” für Kinder produziert. Die aus einer Gummihaube mit zwei Sichtgläsern und einem aufschraubbaren Filter bestehende Volksgasmaske sollte den Träger für ca. 20 Minuten vor Kampfstoffen schützen. Da jederzeit mit einem Luftangriff und dem Einsatz von Giftgas gerechnet werden musste, sollten die Menschen ihre „Fluchtmaske“ ständig bei sich tragen. So hätte sich die Bevölkerung auf dem Weg zum nächsten Schutzraum vor dem tödlichen Gas schützen können. Aber auch im Schutzraum war die Gasmaske sinnvoll, denn bei etwaigen Bränden konnte sie den Träger vor Rauch und Qualm schützen. Im Verlauf des Krieges kam es in Deutschland zu einem akuten Rohstoffmangel, der sich auch auf die Qualität der Volksgasmaske auswirkte. Während die VM37 noch aus einer Gummihaube bestand, die den Kopf umschloss, wurde die VM40 nur noch durch Riemen gehalten. Die letzte Version der Volksgasmaske nutzte einen Pappfilter, um Aluminium einzusparen. Die 45 Millionen produzierten Volksgasmasken sollten den Großteil der Bevölkerung schützen. Allerdings konnten Säuglinge und Kleinkinder keine eigene Gasmaske tragen. Für sie gab es unter anderem Gasbettchen und -jäckchen, in denen sie durch einen Blasebalg mit gefilterter Luft versorgt wurden. Da es während des gesamten Zweiten Weltkriegs nie zu einem Gasangriff kam, sind viele unbenutzte Volksgasmasken bis heute in der originalen Verpackung erhalten geblieben.

Frauen mit Volksgasmasken.

Volksgasmaske mit Blechbehälter.

Volksgasmaske mit Gebrauchsanweisung im original Karton.

Werbefoto der Firma Auer. Gasschutzumhang, Gasschutzjäckchen und Volksgasmaske. 

Abbildung einer Gasschutzübung im Jahr 1931.

Volksgasmaske mit Tragebeutel. 

Volksgasmaske in einem Pappbehälter.