Redewendungen
„Durchstarten“ und „Auf die Tube drücken“ sind nur zwei von vielen Redewendungen, die ihren Ursprung in der militärischen Fliegersprache haben. Ein Beispiel dafür, wie Redensarten der Jagdflieger in den zivilen Sprachgebrauch einwanderten, ist „sich verfranzen“, was so viel bedeutet wie „sich verirren“. Es geht zurück auf die Spitznamen, die man den deutschen Piloten in den Zweisitzer-Flugzeugen im Ersten Weltkrieg gab. Der Pilot wurde „Emil“ und der Navigator „Franz“ genannt. Nach ihnen nannte man das Navigieren „franzen“ und fehlerhaftes Navigieren entsprechend „verfranzen“.
Durch die ungeheure Popularität der Flieger verbreitete sich ihre Sprache schon während des Ersten Weltkriegs rasend schnell. Unzählige Publikationen, wie Zeitungsartikel und Bücher, trugen dazu bei, dass die Soldatensprache der Bevölkerung nahegebracht wurde. So verbreiteten sich Ausdrücke wie „Kiste” für das Flugzeug (heute oft auch für das Auto) und „abschmieren” für „abstürzen”. Viele Sprichwörter werden heute mit einer übertragenen Bedeutung genutzt. Wer „am Boden zerstört ist“, ist zwar tief enttäuscht und verzweifelt, aber nicht, wie die Flugzeuge des Gegners, bereits am Boden zerstört.
Bei den Redensarten ist das Wort „Bombe“ besonders erfolgreich geworden. Es stammt aus dem altgriechischen Ausdruck „bombos“, was „Gedröhn“ oder „lauter Schall“ bedeutet. In Frankreich hießen Katapulte „Bombarde“, von wo sich das Verb „bombardieren“ ableitete. Eine Reihe von Redensarten stammt schon aus dem 17. Jahrhundert. Ein Beispiel ist „die Bombe ist geplatzt“, wenn etwas Unangenehmes plötzlich eintritt. Ursprünglich galt der Ausdruck „wie eine Bombe einschlagen“ für schlechte Nachrichten und Ereignisse. Heute wird er oft auch positiv bewertet. Im 18. Jahrhundert begann man, „Bombe“ als negatives und positives Verstärkungswort zu benutzen. So kam es zu Wörtern wie „Bombenwetter“, das damals Gewitter oder Donnerwetter bedeutete und heute besonders schönes Wetter beschreibt. „Bombensicher“, um die Sicherheit einer Zusage zu bekräftigen, „Bombengeschäft“ oder „Bombengedächtnis“ sind weitere Beispiele für die Verstärkung durch den Zusatz „Bombe“. Im 20. Jahrhundert wurde der Fußballer Gerd Müller aufgrund seiner Schussstärke als „Bomber der Nation“ bezeichnet und außergewöhnlich attraktive Frauen als „Sexbomben“.
Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich die Flugzeugtechnik weiter, was neue Redewendungen hervorbrachte. Dem Strahltriebwerk haben wir den Begriff „abdüsen“ zu verdanken, dem Radar die Sprichworte „etwas auf dem Schirm haben“ und „unter dem Radar sein“. Der heute für erfolgreiche Kinofilme bekannte Begriff „Blockbuster“ stammt von den britischen Luftminen, die durch ihre enorme Druckwelle ganze Wohnblöcke zerstörten. Die beigefügten Zeitungsausschnitte zeigen, wie diese Redewendungen in den Sprachgebrauch übernommen wurden.
Beispiele von Redewendungen aus Tageszeitungen