Flak-Stellungen der LVZ-West

Zur Sicherung seiner Westgrenze errichtete Deutschland ab 1936 den sogenannten Westwall – eine rund 18.000 Bunker starke Verteidigungslinie von Kleve bis Basel. Was zunächst fehlte, war der Schutz vor Luftangriffen. Deshalb wurde ab 1938 mit dem Bau der Luftverteidigungszone West (LVZ-West) begonnen. Das Ziel bestand darin, feindliche Bomber durch Beschuss zu größeren Flughöhen zu zwingen und somit ihre Reichweite sowie Bombenlast zu verringern. Eine dieser Flak-Stellungen der LVZ-West haben wir vor Kurzem am Flugplatz Dahlemer Binz in der Eifel besichtigt.
Im Rheinland verlief die LVZ-West mit rund 55 einzelnen Flak-Batteriestellungen und einer Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 50 km von Neersen über Mönchengladbach, Erkelenz, Linnich, Jülich, Düren, Zülpich, Mechernich bis nach Bad Münstereifel. Je nach Gefährdung wurden diese vollständig oder nur teilweise aus Beton gebaut. 
Eine Stellung einer schweren 8,8-cm-Flakbatterie im Vollausbau umfasste neben den vier Geschützständen auch die Stände für den Entfernungsmesser, das Kommandohilfsgerät und das Kommandogerät. Zur Bedienung eines Geschützes wurden neun Mann benötigt, für die Kommandogeräte 27. Zur Lagerung der ersten Munitionsausstattung von 300 Schuss je Geschütz wurden drei Munitionsbunker errichtet. Die Unterbringung der Mannschaften erfolgte in der Regel in vier Mannschaftsbunkern des Typs „F”. In den nur beschränkt ausgebauten Stellungen gab es oftmals nur Steinbaracken zur Unterbringung der Mannschaften.
Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Stellungen besetzt, doch ein französischer Angriff blieb aus – der sogenannte „Sitzkrieg“ begann. Erst mit dem deutschen Westfeldzug im Jahr 1940 kamen die Flakstellungen aktiv zum Einsatz. Nach der Kapitulation Frankreichs verlor der Westwall seine Bedeutung, doch Teile der LVZ-West blieben in Betrieb, um wichtige Regionen im Rheinland vor Luftangriffen zu schützen.

Gerätestellung der Flak-Batterie

Flak-Geschützstellung

Bunker für die Wasserversorgung der Stellung

Flak-Geschützstellung

Blick in den Bunker zur Wasserversorgung

Panzertür des Wasserbunkers

Flak-Geschützstellung

Gesprengter Mannschaftsbunker, Notausgang und Gewehrscharte

Gesprengter Mannschaftsbunker, Wand- und Deckenstärke 1,5 Meter


Gesprengter Mannschaftsbunker, Eingangsbereich

Gesprengter Mannschaftsbunker, Wand- und Deckenstärke 1,5 Meter


Gesprengter Mannschaftsbunker, Unterkunftsraum


Gesprengter Mannschaftsbunker, Wand- und Deckenstärke 1,5 Meter


Munitionsniederlagen der LVZ-West


Für die Lagerung der zweiten bis fünften Munitionsausstattung der Flakbatterien errichtete die Luftwaffe im Rheinland sechs Munitionsniederlagen: diese befanden sich in Gustorf, Raderbroich, Bergheim, Kerpen, Bliesheim und Rheinbach. An den einzelnen Standorten waren 10 bis 15 Munitionshäuser für die Lagerung von Flakgranaten vorgesehen. 
Bei der Festlegung der Standorte waren die Nähe zu einem Verladebahnhof und gute Straßenverbindungen zu den Batteriestellungen wichtig. Im Gegensatz zu den Batteriestellungen, die nach dem gewonnenen Westfeldzug größtenteils ihre Bedeutung verloren hatten, blieb die Munitionsniederlage in Gustorf als Ausgabestelle 19/VI weiter in Betrieb. Es ist davon auszugehen, dass die geschaffene Infrastruktur während des gesamten Krieges von den Flakeinheiten im Heimatgebiet genutzt wurde.
Die Munitionsniederlage in Grevenbroich-Gustorf wurde 1939 auf Anweisung der Luftwaffe von einem Bauunternehmen errichtet. Zur ursprünglichen Ausstattung gehörten ein Verwaltungsgebäude, eine Garage, zwei Splitterschutzgräben und bis zu zwölf Munitionshäuser. Von diesen ist noch eines in unmittelbarer Nähe zum Verwaltungsgebäude erhalten geblieben. Von den übrigen Munitionshäusern sind im nahegelegenen Waldstück nur noch Trümmer zu erkennen. Unmittelbar nach der Eroberung sprengten US-Soldaten die Munitionshäuser, wodurch die Wasser- und Stromversorgung in Gustorf in den ersten Märztagen des Jahres 1945 unterbrochen wurde. 
Am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1951 spielten vier Jungen auf das ehemalige Luftwaffengelände in den Trümmern der gesprengten Munitionshäuser. Dabei zogen sie an einem heraushängenden Draht und lösten so eine gewaltige Explosion aus. Laut den Sterbeurkunden starben die beiden Brüder Peter Josef (12 Jahre) und Johann Anton (9 Jahre) sowie Hans Fritz Hermann (11 Jahre) um 15:45 Uhr am 26. Dezember 1951 durch die „vollständige Zerreißung durch Explosion eines Sprengkörpers“. Der vierte Junge wurde zwar verletzt, überlebte die Detonation aber. Die Mutter der getöteten Brüder hatte bereits 1942 ihren Ehemann im Krieg verloren. Mit dem Unglück am zweiten Weihnachtstag 1951 nahm ihr der Krieg, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit sechs Jahren beendet war, auch noch die Kinder.
Das Gebäude im Norden wurde nach dem Krieg von kleinen Industriebetrieben genutzt. An die südöstliche Seite des Verwaltungsgebäudes wurde eine ca. 450 m² große Halle angebaut, in der 1953 die Schuhfabrik Peter Rüdelsheim und 1969 die Dichtungsfabrik Frech & Nabben nachgewiesen sind. In den 1980er Jahren erwarb die RWE Power AG das Gelände mit der Option, das Kraftwerk Frimmersdorf über die Erft hinweg zu erweitern. Da es nie zu einer Erweiterung kam, vermietete die RWE Power AG das Gelände an verschiedene Unternehmen und Landwirte. Das erhaltene Munitionshaus wurde seinerzeit von einem Landwirt als Stall genutzt. Trotz jahrzehntelanger Nachnutzung und intensiver Umbauarbeiten haben das Verwaltungsgebäude, die Garage, die Splitterschutzgräben und ein Munitionshaus die Zeit überdauert. Sie zeugen noch heute von der ursprünglichen Existenz der Munitionsniederlage im Grevenbroicher Stadtteil Gustorf.

Verwaltungsgebäude der Munitionsniederlage mit Anbau 

Verwaltungsgebäude der Munitionsniederlage

Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes

WC-Anklagen des Verwaltungsgebäudes

Flur des Verwaltungsgebäudes

Blick in die angebaute Halle

Blick in die angebaute Halle

Skizze des Verwaltungsgebäudes ohne Anbau

Das einzig erhaltene Munitionshaus

Blick in das Munitionshaus

Das Munitionshaus

Skizze des Munitionshauses

Die Garage

Blick in die Garage

Blick aus der Garage

Skizze der Garage

Splitterschutzgräben

Blick in den Splitterschutzgraben

Blick zum Eingang des Splitterschutzgrabens

Der Splitterschutzgraben

Skizze des Splitterschutzgrabens