Lebenszeichen

 

„Schick mal ein Lebenszeichen!“ – diesen Satz sagen wir heute zu Menschen, die in den Urlaub fahren oder länger von zu Hause weg sind. Während des Zweiten Weltkriegs war er wörtlich gemeint. 

Die immer intensiver werdenden Luftangriffe auf deutsche Städte führten am 1. Dezember 1943 zur Einführung des Eilnachrichtendienstes der Deutschen Reichspost. Fast täglich berichtete der Rundfunk über schwere Luftangriffe auf Großstädte, wodurch Angehörige in Sorge um ihre Verwandten gerieten. Die großen Zerstörungen, insbesondere des Telefon- und Straßennetzes, machten eine schnelle Kontaktaufnahme nahezu unmöglich. Als Ersatz für die ausgefallene Kommunikation gaben die Postämter und Parteidienststellen unmittelbar nach einem Luftangriff auffällige Karten mit der Überschrift „LEBENSZEICHEN” an Fliegergeschädigte aus. Die Betroffenen mussten die Karte vor Ort ausfüllen und konnten so ihren Verwandten eine Nachricht mit maximal zehn Worten zukommen lassen. Wer ausgebombt war oder evakuiert wurde, nutzte die kurze Nachricht, um Angehörige schnell über den eigenen Gesundheitszustand und eine neue Adresse bzw. Erreichbarkeit zu informieren. Aber auch Personen, die den Luftangriff unbeschadet überstanden hatten, nutzten die Möglichkeit, ihren Verwandten ein kurzes „Lebenszeichen“ zu schicken. Einige Beispiele sind auf den hier gezeigten Karten zu sehen:

„Alle wohlauf – Haus schwer beschädigt – Mutter Hans“
„Der Schreckensnacht gut entkommen, und alle gesund! Grüße von allen.“

Rote Eilnachrichten waren ausschließlich für zivile Anschriften bestimmt, grüne Eilnachrichten für Soldaten im Kriegseinsatz. Sie unterscheiden sich lediglich auf der Adressseite, wo auf den grünen Karten u. a. die Feldpostnummer angegeben werden musste. Wie bei der Feldpost wurden alle Eilnachrichten gebührenfrei und mit hoher Priorität zugestellt. 

Lebenszeichen für Zivilisten aus Köln April 1944


Lebenszeichen für Soldaten nicht ausgefüllt.

Zeitungsartikel zum Eilnachrichtendienst

Lebenszeichen für Zivilisten aus Düsseldorf März 1944


Lebenszeichen für Zivilisten aus Düsseldorf April 1944