Spuren des Luftkriegs im Rhein- Kreis Neuss
Auch wenn der Luftkrieg im Rhein-Kreis Neuss seit über 80 Jahren vorbei ist, finden sich im Stadtbild und in der Umgebung vieler Orte immer noch zahlreiche Relikte, die mit diesem Teil unserer Geschichte in Verbindung stehen.
Diese historischen Spuren stammen entweder von Schutzmaßnahmen gegen Luftangriffe oder resultieren aus direkten Schäden, die durch Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg verursacht wurden.
Wir haben hier einige für die Region typische Spuren des Luftkriegs zusammengestellt.
Fassadenschäden I
Im Stadtbild kann man teilweise ausgebesserte Schäden an Fassaden entdecken. Auf dem Bild wurde nach dem Krieg ein Teil der zerstörten Fassade neu aufgemauert. Die Rohstoffknappheit jener Zeit lässt sich anhand der andersfarbigen Ziegel erahnen.
Fassadenschäden II
Die hier sichtbaren oberflächlichen Schäden an der Hausfassade wurden durch Bombensplitter verursacht.
Luftschutzpfeile
Hierbei handelt es sich um weiße Markierungen an Gebäudewänden. Sie wurden an den Stellen angebracht, an denen sich die Notausgänge von Luftschutzkellern befanden. Im Falle einer Zerstörung des Hauses hätten Helfer gewusst, wo sie in den Trümmern graben müssen, um die Eingeschlossenen zu befreien.
Notausstiegsgitter
Diese Elemente stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und sind bis heute teilweise noch im Stadtbild zu finden. Sie verraten, dass sich darunter der Notausstieg eines unterirdischen Schutzraums befand.
Verschlussplatten
Diese Eisenplatten ähneln teilweise Kanaldeckeln, können jedoch rund oder eckig sein und weisen eine sehr unterschiedliche Größe und Oberflächenstruktur auf. Sie befinden sich an Stellen, an denen Zugänge zu unterirdischen Schutzanlagen verschlossen wurden, nachdem das dazugehörige Eingangsbauwerk beispielsweise abgerissen wurde. Solche Verschlüsse können in der Teerdecke von Straßen, auf Bürgersteigen, in Parks und auf innerstädtischen Plätzen entdeckt werden.
Eingangsbauwerke
Die unterirdischen Schutzanlagen waren über Eingangsbauwerke zu erreichen. Über eine Treppe gelangte man meist „um die Ecke herum” in den unterirdischen Schutzbereich. Die Eingangsbauwerke dienten dazu, die Bunker-Ein- und -Ausgänge vor Druckwellen und umherfliegenden Trümmerteilen zu schützen. Oft war dem Treppenabgang zunächst ein Schleusenbereich mit Gasschutztüren angegliedert. Aufgrund ihrer massiven Bauweise lassen sich die Eingangsbauwerke in der Regel nicht einfach entfernen. Außerdem kommt und kam es teilweise auch zur Nachnutzung von Luftschutzbunkern. Wo es nicht erforderlich war, sie abzureißen, hat man diese Bauwerke oft belassen und teilweise sehr harmonisch ins aktuelle Stadtbild integriert.
Belüftugsvorrichtungen
In der Regel waren die unterirdischen Schutzanlagen mit Belüftungsrohren zum Luftaustausch versehen. Über diese Belüftung sollte der Bunker auch bei geschlossenen Türen dauerhaft mit Frischluft versorgt werden (Notbelüftung). Um auf Giftgasangriffe vorbereitet zu sein, war geplant, in etlichen Luftschutzräumen Luftfiltergeräte einzubauen, die sich bei Stromausfall auch manuell betätigen ließen. In vielen Bunkern kam es dazu allerdings wegen der fortschreitenden Materialknappheit nicht mehr. Im Falle eines Giftgasangriffs oder bei starker Rauchentwicklung oberhalb des Bunkers war vorgesehen, die Belüftung zu verschließen und, wo vorhanden, auf Luftfilterbetrieb umzustellen. Die Vorrichtungen für den Luftaustausch sind heute noch an vielen innerstädtischen Stellen zu erkennen, beispielsweise in Form kleiner Türme.
Bombentrichter
Es kam immer wieder vor, dass Flugzeuge ihre Bombenlast nicht wie geplant im industriellen oder bewohnten Zielgebiet abwarfen, beispielsweise aufgrund schlechter Sicht oder technischer Probleme. Einschlagende Bomben hinterließen in der Landschaft teilweise Krater mit mehreren Metern Durchmesser, die sogenannten Bombentrichter.
Kampfspuren
Auf dem Bild ist ein Durchschuss durch einen Stahlträger zu sehen, der als Zaunpfosten verwendet wurde. Der Schaden stammt von den Kämpfen Anfang März 1945 in Neuss/Kaarst.
Eingangsbauwerk in einer Wohnsiedlung
Eingangsbauwerk (rechts) mit Splitterschutzwand (links)
Eingangsbauwerk (links) und Belüftungsturm (rechts)
Eingangsbauwerk
Schutzgitter am Notausgang
Luftschutzpfeil unter dem linken Fenster und zwischen den Fenstern
nicht verkleidetes Belüftungsrohr