Luftschutzbunker Am Feldtor 

Der Luftschutzbunker Am Feldtor befindet sich im Ort Zons. Diese Anlage wird von unserem Verein betreut und  der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das folgende Kapitel informiert über die Geschichte  dieser Luftschutzanlage von ihrer Erbauung durch Zwangsarbeiter bis hin zur heutigen Nutzung.

Sie möchten diesen Bunker besuchen? Infos zu Fühungen finden Sie hier:


Einblick in die Geschichte des Luftschutzbunkers Am Feldtor in Zons

Es ist nun etwa  80 Jahre her, dass Nazi-Deutschland den 2. Weltkrieg begonnen hat- einen Krieg, der sechs Jahre lang tobte und der rund 60.000.000 Menschen das Leben gekostet hat. Doch der Krieg, der am 1. September 1939 von Deutschland aus seinen Anfang nahm, kehrte bereits im Mai 1940 in Form von Luftangriffen nach Deutschland zurück.

Zu Beginn des fünf Jahre andauernden Luftkrieges standen den Bewohnern von Zons nur provisorisch hergerichtete Luftschutzräume in ihren eigenen Kellern zur Verfügung. Wer keinen eigenen Keller hatte, fand Zuflucht bei den Nachbarn. Durch die Beteiligung der USA nahmen die Luftangriffe auf deutsche Wohngebiete, Industrieanlagen und die Infrastruktur ab 1943 immer mehr zu. Da niemand vorhersagen konnte, wo genau die Bomben fallen sollten, wurde die Bevölkerung bei jeder Sichtung eines feindlichen Flugzeugs durch Sirenen in die Schutzräume getrieben.
Angesichts dieser Entwicklung plante die Stadt Zons im Herbst 1943 den Bau von zwei Bunkern auf Gemeindeland mit einer Gesamtkapazität von rund 400 Schutzplätzen:  Die Anlage am früheren Feldtor und ein ähnliches Bauwerk nahe dem  Rheintor. Letzteres ist heute allerdings übererdet.
Für die Bauarbeiten, die zwischen Januar und Februar 1944 stattfanden, wurden 65 französische und italienische Kriegsgefangene herangezogen. Zeitzeugen zu Folge arbeiteten diese teils barfuß und nur mit Lumpen bekleidet auf der Baustelle. Auch gibt es viele Berichte über die katastrophale Ernährungssituation der Gefangenen. So haben diese vor lauter Hunger unter anderem ständig die Mülltonnen nach Essbarem durchsucht. 

Bau des Bunkers Am Feldtor im Februar 1944
Quelle: Photoarchiv Thomas Schwabach


Ein Zeichen von Menschlichkeit setzten die Zonserinnen und Zonser, indem sie den Kriegsgefangenen immer wieder heimlich Lebensmittel und Kleidung zukommen ließen. Sie verstecken die Lebensmittel entlang der Wege, welche die Gefangenen täglich zwischen ihrer Unterkunft und der Baustelle passierten. Als Verstecke dienten Lücken in der Stadtmauer und  hohes Gras am Wegesrand, der Einfallsreichtum der Helfer war groß. Obwohl jegliche Art der Unterstützung von Kriegsgefangenen streng verboten war, beteiligten sich zahlreiche Bewohner von Zons an diesen Hilfeleistungen

Nach seiner Fertigstellung fanden im Falle eines Fliegeralarms mindestens 200 Zonser hier unten einen sicheren Zufluchtsort. 800 m³ Stahlbeton und zwei Meter Deckenstärke boten den notwendigen Schutz vor den Bomben der Alliierten. 

 

Bei Fliegeralarm betraten die Schutzsuchenden das Bauwerk über den Treppenabgang und die Gasschleuse. Der sogenannte Befehls- und Sanitätsstand war dem Bunkerwart und seinen Helfern vorbehalten. Der Bunkerwart hatte die Aufgabe, die Einhaltung aller Vorschriften durchzusetzen. Er war allen Schutzsuchenden gegenüber weisungsbefugt. Personen, die z.B. durch Stürze auf dem Weg zum Bunker verletzt worden waren, konnte man in diesem Raum notdürftig versorgen.   

Der Bauplan des Bunkers sah zwar den Anschluss einer Filteranlage vor, diese wurde jedoch aufgrund der Mangelwirtschaft nie geliefert. Der beim Bau angelegte Lüftungsschacht durch die zwei Meter dicke Bunkerdecke ist heute noch vorhanden. 

 

Eine weitere Besonderheit stellen die vier Toiletten dar, die allesamt mit einer Wasserspülung ausgestattet waren. Das Abwasser lief allerdings außen lediglich in den Wallgraben, da es zu dieser Zeit in Zons keine Kanalisation gab. Normalerweise standen den Schutzsuchenden im Kreisgebiet nur Trockenklosetts in Form von Eimern mit einer Füllung aus Torf oder Sägemehl zur Verfügung. So kann man beim Bunker Am Feldtor durchaus von einem gewissen Luxus sprechen. Die Trennwände zwischen den Toiletten sind heute noch zu erkennen. 

Die elf Schutzräume sind gleichartig gestaltet:  4,50 Meter lang und 1,60 breit. Sie  boten mit  7,2 m² Platz für jeweils mindestens 15 Personen.  Alle Räume waren ursprünglich mit Bänken ausgestattet. Da es eine feste Zuteilung der Räume gab, welche festlegte, wer in welchem Raum Zuflucht suchen durfte, konnten die Insassen die Räume zusätzlich einrichten. Zu möglichen Einrichtungsgegenständen gehörten z.B. Matratzen, Betten und auch Lebensmittel. Das dürftige Notgepäck, welches die Schutzsuchenden beim Fliegeralarm mit sich führten, bestand meist nur aus den wichtigsten Dokumenten. Mehr durfte im Alarmfall nicht mit in den Bunker genommen werden.

Die Belüftung der Anlage erfolgte über Rohre, welche durch die 1,40 Meter starke Außenwand in den Wallgraben führten.

Für den Fall, dass der Eingang durch einem Bombenangriff verschüttet  worden wäre, musste jeder Bunker über einen Notausgang verfügen. Dieser befand sich für gewöhnlich in der Gebäudeseite, die dem Eingang gegenüber lag. Dies erleichterte zudem die Lüftung der Anlage. Der Notausgang im Bunker Am Feldtor war ursprünglich durch eine Holztreppe zu erreichen. Reste der Holztreppe wurden bei der Aufräumaktion im August 2019 von uns entfernt. 

Bis Ende der 50er Jahre nutzten Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten diesen Bunker, zunächst als Notquartier und später als Lagerraum. Mit ihrem Auszug endete auch die Nutzung dieser Räume. 
Durch Undichtigkeit der Bunkerdecke trat Wasser ein und spülte im Laufe der Zeit Kalk aus dem Beton.  Auf diese Weise bildeten sich während der letzten sechzig Jahre Tropfsteine, die an einigen Stellen der Anlage bis zum Boden reichen. 

Bunker Am Feldtor: Instandsetzung


Bunker Am Feldtor: Öffnung des zugemauerten Notausgangs


Bunker Am Feldtor: Öffnung des zugemauerten Notausgangs


Bunker Am Feldtor: Neue Tür für den Notausgang


Bunker Am  Feldtor: Blick aus dem Notausgang


Bericht über Führungen am Tag des offenen Denkmals im Luftschutzbunker Am Feldtor in Zons (2019)



Bericht über Führungen am Tag des offenen Denkmals im Luftschutzbunker Am Feldtor in Zons (2019)

Bunker Am Feldtor:  Eingang vor der Restaurierung

Bunker Am Feldtor steht ab 2020 unter Denkmalschutz  

Bunker Am Feldtor:  Ehrenplatz für die Plakette

Bunker Am Feldtor:  Hauptgang

Bunker Am Feldtor:  Vor Trockenlegung

Bunker Am Feldtor:  Führung

Bunker Am Feldtor:  Instandsetzung